Oscar Wilde wurde 1895 wegen Homosexualität zur Gefängnisstrafe verurteilt.

Ihm wurde jedoch, gemäß dem damals üblichen „Gentleman’s Agreement“ die Möglichkeit gegeben, vor seiner Verhaftung ins Exil zu fliehen.

Doch Mr. Wilde blieb.

Und blieb damit seinen Werten treu.

Er ließ sich verhaften.

Ein Ende mit Schrecken

Gestern ging die 21-Tage-Sichtbarkeits-Challenge 2020 zu Ende.

Und in meinem Beitrag zum letzten Challengetag habe ich geschrieben, dass diese Challenge mein Abschiedsgeschenk ist.

Denn meine „Karriere“ im klassischen Online-Business endet hier.

Das heißt nicht, dass es mich ab morgen nicht mehr im Internet gibt, aber einiges wird sich ändern.

Warum?

Weil ich immer und immer wieder feststelle, dass sich meine Werte nicht damit vereinbaren lassen, mit einem Onlinebusiness in dem Sinne erfolgreich zu sein, dass ich damit wirklich dauerhaft gut leben kann.

Ich habe in den letzten 5 Jahren online mein Geld verdient.

Ich bin dabei nicht reich geworden, aber ich konnte davon leben. Manchmal mehr, manchmal weniger gut, aber es hat immer gereicht.

Damit bin ich wohl eh schon einer Menge Leuten einen großen Schritt voraus, die da draußen mit Onlinebusiness ihr Glück versuchen.

Und dennoch…

Da ist etwas das ich lange nicht greifen konnte und das mir einfach nicht gefällt.

Ich will nicht sagen, dass es überall so ist.

Aber bei vielen.

Diese Haltung von:

„Wenn Du es nicht schaffst, liegt das einfach nur an Deinem Mindset“

Alternativ kannst Du für Mindset einsetzen: Glaubenssätze, Bewusstsein, Ego oder jedes andere Wort, das den unzureichenden Zustand Deines Oberstübchens beschreibt.

Und solange Du den Menschen nicht eine Verbesserung desselben verkaufst, am besten zeitgleich mit dem Versprechen, dass dann Reichtum und Erfolg eintritt, aber wenn schon nicht das, dann wenigstens Weltrettung, Glückseligkeit (denn wer braucht schon Geld für sein Glück?) und natürlich ein Aufstieg ins „Neuland“ (sorry, aber wenn Du nicht weißt, was das bedeutet, dann arbeite dringend an Deinem Mindset!)…

Und solange Du nicht ca. 10-15 tausend Euro dafür nimmst…

… solange ist dieser Markt einfach nur anstrengend.

Nun liegt es natürlich einfach nur an meinem unausgereiften Bewusstsein/Mindset/Glaubenssatz-Set, dass ich diesen Schritt noch nicht gegangen und Millionärin geworden bin.

Das ist mir inzwischen klar und wird mir ausreichend von allen Seiten bestätigt.

Natürlich nicht in diesem Wortlaut.

Sondern eher mit einem verständnisvollen

„Vielleicht musst Du erst noch Deine Ahnengeschichte klären!“

Und dann wird wiederum damit Geld verdient, dass im Handumdrehen Deinen Ahnengeschichte bereinigt ist und anschließend endlich der Weg frei ist für den wirklichen Erfolg. Denn den hat einfach nur irgendwas in Deinem System bisher verhindert.

Wenn Du dann anschließend immer noch nicht die erwünschten Verkaufszahlen hast, findest Du in der Onlinebusiness-Branche neben den klassischen „Das ist das wirkliche Geheimnis!-Anbietern“ immer noch genügend kostenpflichtige oder kostenlose Angebote, die Dich wahlweise per Fern-Energetisierung, Clearing-Session, Chakren-Reinigung oder was einem sonst noch so Spirituelles einfallen kann, von Deiner schlimmen Geldblockade befreien.

Je nachdem, was Dein Mindset halt im Moment so hergibt.

Und falls das alles noch nichts nützt, dann hast Du Dich ja wenigstens persönlich weiterentwickelt. Wir sind halt alle auf unserem Weg! 😉

Ist das alles wirklich Mumpitz?

Nein, und ich weder energetische Heilmethoden schlechtmachen, noch Persönlichkeitsentwicklung.

Was mich stört ist, dass alles, egal was es ist, sobald es mit „normalen“ Kunden nicht genug Geld bringt, online auf den Businessektor umgemodelt wird. Und obendrein werden Versprechen gemacht, die nie gehalten werden.

Am Ende kommen aus diesen Erfolgsprogrammen nämlich immer nur die mit einem erfolgreichen Onlinebusiness heraus, die sich auch ihrerseits widerum auf diesen Deal einlassen. Von seltenen Ausnahmen sehen wir mal ab.

Jeder redet dabei auch noch von „authentisch“. Und wenn Du jemanden darauf festnageln willst, dann diskutieren wir halt mal ne Stunde darüber, wie flexibel man das Wort „authentisch“ ja eigentlich betrachten muss. Weglassen ist ja schließlich noch nicht lügen. Und all sowas.

Wer muss schon auf Werte achten, wenn wir alle sowieso eins sind?

EGAL was Du heute tust, es ist immer gut für irgendjemand anderen.

Und weißt Du was, auf einer ganz hohen Existenzebene bin ich davon sogar überzeugt.

Aber auf unserer Existenzebene als Mensch ist diese Haltung einfach nur scheiße!

Denn sie rechtfertigt und erklärt einfach alles.

So war es dann nämlich auch für Herrn Wilde gut, im Gefängnis zu verrecken. Seine Seele hatte da bestimmt diesen Plan…!

WTF???

Die Meinungen vieler.

Vielleicht war ja Oscar Wilde damals auch noch nicht so weit. Er hatte einfach noch nicht verstanden, dass Homosexualität krank ist! (Achtung, hier weiße ich ausdrücklich auf die Ironie im Satz hin!)

Aber mal ernsthaft…

Was ich damit sagen will ist, dass Meinungen nicht wahr sind, nur weil viele Menschen gerade so denken.

Und ich gehe für meine Werte, so scheint es, nun auch gerade ins „Gefängnis“.

Das moderne Gefängnis.

Natürlich sieht dieses Gefängnis heute ganz anders aus. Es ist das Gefängnis des „Ignoriert werdens“.

Schließlich habe ich es halt einfach nur noch nicht verstanden.

Irgendwie ist das so ähnlich, als wenn man es mit narzistischen Menschen zu tun hat.

Du kannst die Argumentation mit so einem Menschen niemals gewinnen.

Und selbst, wenn es Dir gar nicht ums Gewinnen geht, Du verlierst trotzdem.

Sätze wie „Ich fühle das einfach“ sind ja auch lächerlich.

Meist kannst Du nur gehen.

Hätte Oscar Wilde das damals auch schon gewusst, wäre er dann vielleicht doch geflohen?

Oder wusste er es vielleicht und blieb gerade deswegen?

Damit ich das heute lesen kann und weiß, warum ich mich so übel dabei fühle, meinen Werten zu folgen?

Weil es nämlich schmerzhaft und schwer ist, sich aber dennoch richtig anfühlt?

Naja, wer weiß. Aber ich danke ihm trotzdem mal.

Vielleicht sind Oscar und ich ja auch nur zwei dramatische Figuren in einem großen, witzigen Spiel.

Vom gefeierten Autor zum Volksfeind – so kann’s eben gehen.

Und wenn einer jetzt denkt „Aber so krasse Themen wie Homosexualität als Krankheit haben wir doch heute nicht mehr!“

Dann kann ich nur sagen:

Sorry, das sehe ich anders.

Wir haben ein riesiges Thema.

Es fehlt uns an Güte. Wärme. Und Nähe.

Unter dem Wahlspruch „Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst“ und den Konzepten der Spiritualität werden die Menschen zu kleinen und großen Monstern, die alles, was sie tun, damit rechtfertigen, dass jeder für sich selbst verantwortlich ist (und für niemand anderen).

Was bleibt ist Unbarmherzigkeit. Kälte. Distanz.

Und Menschen, die das nicht mal mehr fühlen können.

Was bedeutet das nun für mich?

Naja, vielleicht bleib ich ja doch noch ein bisschen hier, so wie Oscar.

Dem guten Oscar wurden damals alle Schreib- und Veröffentlichungsrechte entzogen. Das kann mir heute nicht passieren.

Also schreib ich ja vielleicht morgen darüber, wie sich das ändern lässt. No risk, no fun!

Bis dahin…

Tu, was Du willst!
Deine Christina



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16 Kommentare zu „Warum ich gehen muss…“

  1. Ja, so sind wir Menschen. Unerbitterlich in der idiologischrn Idee, der bedinungslosen Liebe und vergessen dabei ganz, dass wir „nur“ Menschen sind und keine Idiologien. Der Wind der uns allen entgegenweht wird immer härter und härter, da würde es menschlichen Zusammenhalt benötigen und es gibt durchaus einige menschl. Idealisten, nur es wird oft zu wenig zugehört. Danke für deine Worte, ich höre dir zu, du Mensch.🤣❤

    1. Liebe Kirsten,

      danke für Dein Lob.

      Ich werde nach und nach hier darüber schreiben, wie es weitergeht. Manches ist schon sehr klar, ich werde ja zum Beispiel weiterhin Blogartikel schreiben und meine Bücher hoffentlich endlich fertig stellen. An anderen Stellen ist es noch nicht ganz klar, aber auf dem Weg. Wie gesagt, ich werde berichten. 🙂

      Alles Liebe
      Christina

  2. Wohoo… das sind großartige Worte und sprechen mir so sehr aus dem Herzen.

    Es soll ja ca.90.000 Coaches geben. Und ich frage mich bei meiner Arbeit im Pflegeheim, wo diese „Gutmenschen“ alle sind?
    In den letzten Jahren haben so viele Menschen Schulungen, Weiterbildungen, Persnlichkeitsseminare etc. besucht. JETZT geht’s an das Eingemachte, in Zeiten vom Coronavirus.

    Wenn „nur“ alle Coaches jetzt ihre gelernten Dinge umsetzen, finde ich das einen Akt der Menschlichkeit.
    Wenn wir einfach in unruhigen Zeiten füreinander da sind. Und zwar einfach so, auch ohne Bezahlung.
    In Zeiten von Angst, anderen Mut machen und positiv „vorleben“.
    In Zeiten wo das Meer stürmisch scheint, das Steuer fest in der Hand zu halten. Auch für andere.

    Oft verzweifle ich am Menschen, jedoch gebe ich die Hoffnung nicht auf!!!

    Oft wird mir gesagt: Ich könnte nicht im Altenpflegeheim arbeiten. Dann kann ich nur milde lächeln.
    „Denn sie wissen nicht was sie tun.“ Das sagte Jesus am Kreuz.

    Ich habe noch nie so viel Menschlichkeit erlebt wie im Altenpflegeheim. Auf dem letzten Lebensgang bleibt übrig was wirklich im Leben zählt.

  3. Liebe Christina,
    ich bedauere Deinen Schritt so sehr, wie ich Ihn akzeptiere. Allerdings sind die angegebenen Gründe meines Erachtes falsch. Du brauchst keinen Coach, kein A hnenfoschung betreiben oder sonstigen launische Ratschläge von selbsternannten Profis. Du weißt, wie das funkrioniert: „Bewerte du meinen Kurs gut, bewerte ich den deinigen auch gut“. Und schon ist ein neuer Trend, gespickt mit sogenannten und „belegbaren“ Wahrheiten geboren.

    Das, was dieLeute nicht hören wollen und was ein ausschlaggebender Faktor ist, ist die technische und inhaltliche Qualität der Kurse. Das E-Learning-Geschäft ist knallhart und glaub mir, ich weiß wovon ich rede. Ich war 10 Jahre lang Geschäftsführer einer E-Learning-Budem mit einem Sack voller Großkunden. Heute betreibe ich rund 10 Lernplattformen mit ungefähr 15.000 Teilnehmern.

    Schuld daran sind dohenannte Experten, die behaupten „Fang mal an, besser werden kannst du immer nocht“. Gracierender Fehler! Wenn ich merhre, dass die technische Qualität nicht stimmt, dann gebe ich den Kurs zurück und der Autor kommt auf eine Black List. Die berühmte zweite Chance? nicht bei mir. Dafür ist mir die verbleibende Lebenszeigt zu knapp.

    Ich hatte mal einen Kurs gekauft, in dem saß der Trainer in einigen der Videos halbnackt mit umgeschnallten Keinkind vor der Kamera. Bitte, ich habe nchts gegen Kinder, aber der Wissensvermittlung war das nicht zuträgöich.

    Hinzu kommt noch die inhaltliche Kompetenz. Egal, welchen Hrus du auftrufst, du triffst nur auf „Experten“. Einen infelationäreren Begriff als diesen habe ich in den letzten Jahren nicht gefünden. Wikipadia meine dazu: „Experte (auch Fach- oder Sachkundiger oder Spezialist) ist eine Person, die über überdurchschnittlich umfangreiches Wissen auf einem Fachgebiet oder mehreren bestimmten Sacherschließungen oder über spezielle Fähigkeiten verfügt.! Hierbei kommt es auf die Begriffe „über überdurchschnittlich umfangreiches Wissen “ an.

    Und schlißlich hat die reine Geldgier dem Markt den Garaus gemacht. Einzelne gut und intelligent gemachte Kurse zu verkaufen, ist verpönt. Es müssen ja immer gleich Abos sein – möglichs über einen längeren Zeitraum. Un dass werden die Teilnehmer mit Droped Content oder „Due darfst erst Kurs 3 sehen, wenn du 1 und 2 durchgearbeitet hat, stößt nur bei DUmmköpfen nicht auf Widerspruch.

    Und dann die Angst vor dem Wettbewarb. Anstatt EINE Plattform für ein Thema zu machen, zz. B. „Fotografie und eine zweite zur Video und eine Dritte zu XYZ und die dann für viele Autoren freizuschalten, denken unsere ach so zukunftsorientierten Autoreen immer in klein, klein. Was denkst du, warum Udemy so schnell sogroß wurde? Die Kunden sichen a) inenen one-Stop-Shop“ und b) günstige Angebote.

    Wenn du mgst, können wir mal skypen. Du findest mich auch auf Facebook

  4. Ja DIESEN Mangel an Nähe und Wärme und an den Menschen die es bemerken UND bereit sind es zu verändern, den bemerke ich auch. Auch ich mache mir so meine Gedanken und werde mit Volltreffer Herz genau da ansetzten und versuchen gegen zu steuern. Und ich glaube immer noch daran, dass wir zusammen mehr erreichen als alleine und es unbedingt wichtig ist FÜR unsere Werte zu gehen <3 <3 <3

  5. Ich kenne das so gut! Dieses Gefühl, in dieser Online-Welt geht es nur um Viel-Verdienen. Habe mich erst diese Woche wieder mit jemandem schriftlich auseinander gesetzt, der mir weismachen wollte, dass ich nur so (aus meiner Sicht gar nicht mal so) niedrige Preise verlange, weil ich mich selbst nicht wertschätze. Nein! Ich verlange diese Preise, weil ich auch für Menschen bezahlbar bleiben will, die mein Angebot am dringendsten brauchen.
    Ich habe das Gefühl, so oft geht es nur noch ums Geld und nicht mehr um den Menschen dahinter.

    Ja, man kann echt daran verzweifeln.

    Und dann habe ich die letzen drei Wochen eine Insel finden dürfen, wo es noch mehr Aliens wie mich gibt, denen es um das Menschliche geht und die nicht nur ihre Erfolge präsentieren, sondern sich in ihrer Verletzbarkeit zeigen.

    Vielen lieben Dank, Christina, dass du mir mit deiner Challenge gezeigt hast, dass ich nicht das letzte Einhorn bin, sondern dass es viele von uns gibt, die aber ab und zu in der Masse der „Werde-reich-Coaches“ untergehen. Aber sie sind dennoch da.

  6. Klare, wahre Worte und ein mutiger, konsequenter Schritt. Meinen Herzlichen Glückwunsch für diese Klarheit.
    Ich stimme zu: Es fehlt an Güte, Wärme und Nähe.
    Und dies nehmen oft nur die Menschen wahr, die sich im Stillen aufhalten.

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