Schämst Du Dich, ein Coach zu sein?

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Schämst Du Dich, ein Coach zu sein?

Heute habe ich auf Facebook ein Video von Harry G. gesehen über Coaches.

Schau es Dir gerne hier erstmal an, es ist wirklich unterhaltsam:

Ja, ich nehme an, Du hast wahrscheinlich an vielen Stellen gelacht und genickt, oder?
Ging mir genauso. Und dann wurde ich sehr nachdenklich…

Was ist nur los mit der Coachingszene?

Ein Kollege von mir, Ben Schulz, stellte die Frage kürzlich etwas anders: „Was haben wir uns da herangezogen?“

Und ich finde die Frage so tatsächlich viel treffender.

Denn es ist ja nicht so, dass all diese Ich-mach-Dich-schnell-Reich-Coaches einfach so irgendwoher kommen. Sondern letztlich ist es doch so, dass es eine Menge Coaches am Markt gibt, die 1) wirklich schlecht verdienen und 2) dann immer wieder Hoffnung in solche Konzepte setzen, deren Fokus ganz eindeutig auf „möglichst schnell Kunden gewinnen und viel Geld verdienen“ liegen.

Also sprich…

All diese großen Versprechen gibt es, weil es auch genug Leute gibt, die das kaufen!

Gerade wir Coaches sind ja immer sehr gut darin, direkt mit dem Thema Eigenverantwortung um die Ecke zu kommen, wenn irgendwo etwas schief läuft. Also sollten wir gerade hier auch mal unsere Verantwortung an all dem sehen, anstatt immer zu sagen: „Ja also ich finde das ja nicht gut!“ und am Ende doch immer wieder bei denen zu spitzeln und zu kaufen, die

  1. möglichst großen Erfolg versprechen und
  2. selbst auch offensichtlich viel Geld mit ihrem Business verdienen.

Aber wir wollen doch von denen lernen, die schon da sind, wo wir hinwollen.

Ja, das verstehe ich und daran ist auch grundsätzlich gar nichts verkehrt.

Aber genau daher kommt halt leider auch diese Schwemme an Superreich-Über-Nacht-Coaches, weil UNSER Fokus bei der Frage „wo will ich hin?“ fast immer mit monetärem Reichtum zu tun hat.

Glaubst Du nicht? Dann schau Dir doch den Markt an! Er ist einfach nur ein Spiegel unseres eigenen Verhaltens!

Absolut verfahrene Situation? Gibt es überhaupt einen Ausweg?

Ich selbst habe nun viele Monate lang all das beobachet. Ich hab überlegt und überlegt, wie ich einen Ausweg aus all dem finden kann, denn ich WILL einfach NICHT so verkaufen.

Ich will Dich nicht in meine Kurs oder mein Coaching locken mit dem Versprechen vom großen Erfolg. Warum sollte ich das auch tun? Positionierung ist ein erster Schritt von vielen zum erfolgreichen Business als Coach, aber es ist eben nur EINER. Ich würde glatt lügen, wenn ich erzählen würde „Du musst Dich nur richtig positionierung und dann läuft alles wie von selbst!“ Das ist so ein großer Bullshit!!!

Doch am Markt da draußen – sind wir doch ehrlich – habe ich mit dieser Ehrlichkeit keine Chance.

Glaubst Du nicht? Ich hatte mal einen Post in der Art „Hier musst Du für Deinen Erfolg hart arbeiten“ geschrieben. Viele Reaktionen, aber rate… ja genau… keine einzige Anfrage kam darauf, obwohl ich wirklich sehr deutlich für mein Angebot geworben hatte.

Manchmal erscheint es mir so, als gäbe es hier gerade keinen Ausweg… Du spielst das Spiel mit oder Du gehst unter.

Gehe ich also gerade unter?

Ich hab es nicht vor. Zumindest nicht kampflos!

Denn egal wieviele Harry Gs dieser Welt sich über die Coachingszene lustig machen…

  • Ich glaube daran, dass Coaches gute Menschen sind, die etwas bewegen wollen und können auf der Welt.
  • Ich glaube daran, dass Coaching wertvoll ist für diese Welt.
  • Ich glaube, dass es eine Menge richtig guter Coaches gibt, die vielleicht kein einziges Zertifikat haben, aber sehr viel bewirken können!

Unsere einzige Chance…

Ich glaube, unsere einzige Chance ist es, uns darauf zu besinnen, wofür wir eigentlich angetreten sind.

In den letzten Wochen wurde ich selbst damit konfrontiert. Denn ich wollte beinahe aufgeben.

Und eine liebe Kollegin und Freundin sagte zu mir: „Aber Christina, dann mach halt alles einfach eine Nummer kleiner. Verkaufe Deine Onlinekurse und Coachings und fertig. Vielleicht muss Du ja gar nicht so viel bewegen!“

Einen Moment lang wollte ich zustimmen, es klang irgendwie so verlockend einfach… aber dann kam eine sehr entschiedene Stimme aus meinem inneren empor und ich hörte mich sagen:

„Nein, tut mir leid, aber DAFÜR bin ich NICHT angetreten!“

Wofür bist Du angetreten?

Ich kann Dir natürlich nicht sagen, wofür DU wirklich angetreten bist. Ich kann Dir nur sagen, dass ich angetreten bin, um Coaches sichtbar zu machen und ihnen eine Stimme zu geben.

Und ich bin mir sicher, dass sich hinter Deiner Sorge darum, wie Du die nächste Miete bezahlen sollst, auch etwas Größeres verbirgt.

Ich weiß, dass das tatsächlich manchmal so weit in den Hintergrund tritt, dass Du es selbst nicht mehr richtig sehen kannst. Gerade dann, wenn eben Geldsorgen erdrückend werden, ist es verdammt schwer, sich jeden Tag neu darauf zu besinnen, warum man das alles im Grunde eigentlich macht!

Dennoch… ich bin mir sicher, dass Du – ganz tief drinnen – den Sinn Deiner Arbeit als Coach genau kennst.

Sinn zuerst.

Ich plädiere dafür, dass wir den Sinn unserer Arbeit wieder an die erste Stelle setzen.

Wieviel Macht würden die ganzen Marketer da draußen verlieren, wenn wir Sinn wieder vor Geld setzen würden?

Und versteh mich bitte nicht falsch! Ich hab überhaupts nichts gegen Geld, ganz im Gegenteil.

Geld ist wichtig, damit wir unser Leben gestalten und unser Business aufbauen können. Geld ist etwas Wunderbares, weil es uns in dieser Welt Möglichkeiten eröffnet. Jeder soll gerne soviel Geld verdienen, wie er sich wünscht. Aber…

Geld folgt dem Sinn.

Geld ist eine Energie, die dort hingeht, wo sie einen Sinn und Zweck erfüllt.

Vielleicht haben wir ja alle ein wenig diesen Sinn aus den Augen verloren und wundern uns dennoch täglich, warum das Geld nicht zu uns fließt, wo wir uns doch so darauf fokusieren und fleißig daran arbeiten! 😉

Wir brauchen einen Neustart!

Und damit meine ich nicht Dich als einzelnen Coach. Ich meine die gesamte Coachingszene!

Es ist überfällig, dass wir uns als Ganzes neu erfinden!

Und mit neu meine ich nicht, mal eben eine neuen Coachingverband oder ähnliches zu gründen oder ähnliches. Das sind alte, ausgelutschte Denkstrukturen die kein Mensch mehr braucht!

Und mit neu meine ich auch nicht, dass wir uns von irgendwelchen Jungspunden den Weg erklären lassen, die ihn selbst noch gar nicht gegangen sind.

Sondern was ich meine ist…

Nenne Dich Coach und sei stolz darauf!

Wir brauchen ein neues Selbstbewusstsein!

Und ich glaube, dass dieses Selbstbewusstsein gerade dabei ist, zu erwachen. Noch sehe ich hier und da recht verschüchterte Versuche, sich zu zeigen. Noch sehe ich so einige verängstigte Rückzieher wie: „Eigentlich bin ich gar kein Coach.“

Aber ich spüre auch, dass immer mehr Coaches wissen, was sie eigentlich drauf haben!

Du weißt, tief drinnen, was der Begriff Coach eigentlich bedeutet. Er bedeutet, dass Du jemand bist, der andere Menschen in irgendeiner Form auf ihren Weg bringt bzw. sie dabei begleitet, wieder dorthin zu finden.

Und das reicht.

Von allem anderen, das da draußen herumgebrüllt wird, bleib unberührt!

Geh Deinen Weg. Und mach etwas Sinnerfülltes daraus!

Alles Liebe
Deine Christina

10 Kommentare zu „Schämst Du Dich, ein Coach zu sein?“

  1. Danke Christina!

    Manchmal ist es für mich echt verführerisch, es so wie die „höher-schneller-weiter-Leute“ propagieren machen zu wollen.
    Aber diese Momente verfliegen dann (zum Glück) doch recht schnell.

    Wenn das der einzige Weg wäre, dann… geh ich lieber unter.

    Aber es gibt ja durchaus auch Kollegen, die sich ein gutes Einkommen erwirtschaften, ohne jemanden über den Tisch zu ziehen.
    Die fallen mir zwar nicht so laut und grell im Internet auf, aber es gibt sie.

    Daran darf ich mich immer wieder erinnern.

    Liebe Grüße
    Michaela

    1. Ja Michaela, das kann ich gut verstehen. Klar hat mich das hier und da auch schon verführerisch angelächelt.

      Und am Ende kann ich die meisten Dinge dann nicht mit meinen Werten vereinbaren und würde eh nur „Bauchweh“ dabei kriegen.

      Lass uns einfach auf unserem Weg bleiben. 🙂

      Alles Liebe
      Christina

  2. Hey Christina,

    genau, lasst uns den Sinn über den Drang nach (mehr und immer mehr) Geld stellen. Ich trete mit dir dafür an!
    Ich fühle mich ja schon länger als ‚einsame Mahnerin‘, in meinem Fall für das Thema Onlinekurse, dass es weder schnell geht noch einfach ist noch (schnell) viel Geld bringt. Eine zeitlang mochte ich mich selbst für diesen relativ bremsenden Blick auf das Thema nicht mehr leiden… Ich habe innerlich ähnlich mit mir gehadert wie du es schreibst.

    Dann war ich auf einer Veranstaltung, auf der eine junge „Onlinekurs-Expertin seit 2019“ von ihrem Launching-Erfolg berichtete. Sie hatte mit ihrem Versprechen, mit Onlinekursen schnell 5-stellig im Monat verdienen zu können, sehr ordentlichen 6-stelligen Umsatz gemacht. Obwohl ich mich eigentlich nicht im Außen vergleichen möchte, schlug das voll bei mir ein…

    Mit einer meiner Teilnehmehmerinnen sprach ich dann über das gleiche Muster in der Abnehmbranche: Wer vollmundig viele Kilos verspricht, verdient viel besser als jemand, der die langsamen, realistischen Schritte propagiert. Kurz gab ich mich dem Gedanken „das ist doch unfair!“ hin.

    Aber dann haben wir beide beschlossen, nicht mehr nur die unrealistischen Versprechungen anzuprangern, sondern den Blick unserer Kunden und Interessenten wieder auf den Sinn, das Wesentliche zu lenken. Die Liebe, die Verbindung zu anderen Menschen und sich selbst, das nachhaltige gute Leben.

    In meinem Video für den Selbstlernkurs, den ich aktuell gerade schritt-für-schritt fertig stelle, habe ich das – als Werbevideo – genauso formuliert. Ich will hier keine Werbung mit meinem Link machen, daher gebe ich dir das mal als PN.

    Also: Yes! Lass uns als ganze Online-Business Branche trauen, mehr von Innen nach Außen zu agieren und uns von unserem Herzen leiten zu lassen! Ich bin dabei.

    Lieber Gruß
    Marit

    PS: Das war meine Podcast-Folge zu meiner eigenen Auseinandersetzung damit, die ja noch nicht vorbei ist, wie du an meinem Kommentar merkst. https://www.marit-alke.de/obl070-hype-rund-um-onlinekurse-meine-gedanken-dazu/

    1. Liebe Marit,

      ich danke Dir für diese wunderbar bestärkenden Worte!

      Ich hab mir Dein Video dazu angesehen und mich echt sehr darüber gefreut, dass Du Dich das einfach getraut hast. Denn ich weiß ja auch zu gut, dass es gerade viel Vertrauen braucht, nicht mit dem üblichen Marktgeschreie mitzuschreien (weil ja vermeintlich erfolgversprechender). Gleich hör ich mir mal noch Deine Podcastfolge dazu an. 🙂

      Alles Liebe
      Christina

  3. Mein Anliegen ist es, Menschen zu begleiten, sie auf ihrem Weg zu unterstützen. Das kann der berufliche Wiedereinstieg nach längerer Pause sein, die Neuorientierung, Krisenbewältigung jeglicher Art. Am meisten Geld macht man wohl tatsächlich derzeit indem man Menschen ein super gehendes Business verspricht mit 5- oder 6stelligem Monatsumsatz. Es mag gute, ehrbare Coaches geben. Aber es gibt leider auch unheimlich viele die auf diesem Hype aufgesprungen sind und die wirklich jedem, egal welche Voraussetzungen und Vorbildung er/sie mitbringt, vorgaukeln Coach werden zu können. Coach ist kein geschützter Begriff. Da werden Programme verkauft für viel Geld an viele Menschen. Und wie viele von denen kennst du, kenne ich, die damit wirklich richtig krass verdienen? Die meisten verdienen am Verkauf von Illusionen, Träumen. Der Traum viel Geld zu verdienen, Anerkennung und eine gewisse Macht zu haben. Das ist nicht mein Weg, mein Ansatz. Klar, möchte auch ich verdienen, meinen Lebensunterhalt ohne finanzielle Sorgen und schlaflosen Nächten bestreiten können. Ich erbringe eine Leistung und die sollte fair entlohnt werden. Aber ich will mich dabei weder selbst verkaufen noch verheizen. Letztendlich wird sich Qualität auch hier durchsetzen.

  4. Ja, liebe Christina,
    wir könnten über diese Entwicklung traurig und frustriert sein. War ich auch immer mal wieder.
    Aber dann habe ich gelernt, dass jeder Mensch dem Resonanzprinzip unterliegt, es ist ein universelles Gesetz. Jeder erntet, was er sät, jeder ist jederzeit an genau der Stelle in seinem Leben, die jetzt gerade passend ist und jeder hat diese Lebenssituation gewählt.
    Manchmal hilft dieses Wissen aber auch nicht weiter. Es ist einfach schmerzhaft zu sehen, wie viele Menschen immer noch darauf reinfallen, was die Marktschreier-Psyeudocoaches anbieten.
    „Hier musst Du für Deinen Erfolg hart arbeiten“, schreibst du und was deine Erfahrung mit dieser Offenheit ist. Das kenne ich nur zu gut. Nicht nur Coaching ist richtig Arbeit (was ich allen Klienten immer sage), sondern auch jede Coachingausbildung. Seit 10 Jahren bilde ich nun aus und immer wieder erlebe ich Menschen, die glauben, Coach zu sein ist ein leichtes Tun. Was für ein Irrtum. Es ist auch anstrengend, wunderschön, freudvoll und es prägt die Persönlichkeit sehr, ein seriöser Coach zu werden. Ein guter Coach braucht ausgeprägte Selbstverantwortung, Selbstmanagement und Selbstorganisation und einiges mehr. Das kommt nicht von allein. Lesen allein genügt nicht, Videos schauen allein auch nicht, (Online-)Seminare besuchen allein reicht ebenso wenig wie Mastermind-Gruppen oder Webinare zu konsumieren. Es ist ganz sicher heute genauso wie früher möglich ein erfolgreicher Coach zu werden. Aber es ist richtig viel Arbeit und erfordert konsequentes dranbleiben über Jahre. Wer schnellsten Erfolg verspricht und rasante Umsatzzahlen lügt einfach. Das kostet nicht nur viel Geld, sondern bringt auch viel Frust, wenn man auf solche Versprechen reinfällt, ich kenne einige die ein Lied davon singen können. Aber ich bin zutiefst davon überzeugt, dass sich gesunder Menschenverstand durchsetzt. Und wenn nicht: Siehe oben.
    Danke für diesen enorm wichtigen Beitrag,
    Anne

  5. Liebe Christina,
    vielen Dank für diesen Artikel. Er stimmt mich zuversichtlich 🙂
    Als ich an der Positionierung für mein Schreibcoaching gearbeitet habe, ist mir Ähnliches aufgefallen. Es gibt so viele Coaches, die die Strategie verkaufen, ein Buch in einer Woche oder in einem ähnlich kurzen Zeitraum zu schreiben. Das hat mich zuerst verunsichert (und tut es immer mal wieder), aber dann ist mir aufgefallen, dass ich gar nicht mit Menschen arbeiten möchte, die nur auf der Oberfläche ihres Themas rumschaben. Die Frage ist halt nur, wie ich die Tieferdenkenden finde. Ich arbeite dran 🙂
    Ganz liebe Grüße
    Anke

    1. Liebe Anke, Du findest sie! Zeige Dich selbst tiefdenkend und die richtigen werden kommen. Das braucht sicherlich Zeit. Und Mut. Und Durchhaltevermögen. Und Kreativität. Naja, was man halt als Unternehmer/in so braucht. Zeige Deine Tiefe. Die Zeit spielt für Dich. Du packst das!

      Alles Liebe
      Christina

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