Danke, ich brauche deine Ängste nicht! Warum Deine Bedenken nur Sand in meinem Getriebe sind.

„Verstehen die denn nicht, dass ich meinen Traum lebe? Ja, hin und wieder ist es knapp, aber ich habe vollstes Vertrauen und immer, wenn ich im Vertrauen bin, bekomme ich Aufträge ohne Ende. Aber dieser ständige Zweifel von außen erschwert das nur.“

So ärgerte sich vor kurzem eine Freundin von mir, die von ihrem Umfeld immer noch suggeriert bekommt, dass man sich Sorgen um sie macht, weil sie doch regelmäßigere Einnahmen bräuchte.

Freundschaften sind mein Ein und Alles – oder?

In den letzten eineinhalb Jahren ist mir etwas aufgefallen. Gleich nach Partnerschaft, hatte für mich Freundschaft den allerhöchsten Stellenwert. Freunde sind für einen da, geben gute Ratschläge, weil sie einen ja lange kennen und überhaupt, was ist man ohne Freunde?

Bis ich mal einen Rückblick gewagt und mir dann ausgemalt habe, wo ich heute beruflich stände, wenn ich auf sie gehört hätte.

Ich schreibe diesen Artikel nicht, um Freunde und Familie anzuprangern. Ich schreibe ihn, um anderen Selbständigen oder Menschen, die sich dafür entscheiden, ihr Leben komplett auf den Kopf zu stellen, ein besseres Gefühl bezüglich ihrer beruflichen Entscheidungen zu geben.

Heute

Ich bin selbständig mit festen und auch wechselnden Auftraggebern. Während ich das schreibe, sitze ich in Key West – im Winter. Ziemlich cool.

Zu Hause in Deutschland habe ich eine Wohnung die ich mag, der nächste Urlaub ist in Planung, ich arbeite, wenn ich Aufträge habe und abgesehen davon, wann und wo ich möchte.

Heute habe ich nicht mehr das Gefühl, mich und meinen Lebensstil vor anderen verteidigen oder entschuldigen zu müssen. Ich denke mit einem Lächeln an die Zeit zurück, in der ich dachte, dass ich ein „wertloserer“ Mensch bin, weil ich es nie hinbekommen habe, acht Stunden auf einem Bürostuhl zu sitzen.

Damals

Früher habe ich mir einreden lassen, dass man mit Sprachen, vor allem mit Englisch kein Geld verdienen kann, also habe ich zwei Jahre an der Uni mit einem langweiligen Studium verschwendet, das ich schließlich abgebrochen habe.

Nachdem ich in zwei Angestelltenverhältnisse war, die mir wenig Spaß gemacht hatten – abgesehen von der Interaktion mit den Kollegen und den Situationen, in denen ich andere unterstützen konnte – bekam ich die Gelegenheit, mich mit dem Gründerzuschuss selbständig zu machen.

Ich wusste, etwas wird sich ändern

Meine Befürchtung war damals: ich habe keine Ahnung von sowas und ich hasse es, Steuererklärungen zu machen. Also so die Standardängste. 🙂

Doch es waren die Worte bestimmter Freunde, die mich fast dazu veranlasst hätten, es nicht zu tun, den Antrag nicht abzuschicken.

Wie das? Weil ich mich von ihren Ängsten zum Thema Selbständigkeit beeinflussen lies. „Was ist mit dem Risiko“, „Du hast ja gar keine Ahnung, wie das alles funktioniert“, „Was ist, wenn du in eine rechtliche Falle tappst?“.

Das ist also der erste wichtige Punkt: lerne zu unterscheiden, was deine Ängste sind und welche die der anderen und viel wichtiger: lass dich nicht von ihnen hinunterziehen. Willst du dich entwickeln, dann rede mit Menschen, die auf dem Gebiet, in das du vordringen möchtest, schon weiter sind.

Und auch dann ist das keine Garantie, dass du die „richtigen“ Antworten für dich bekommst. Deine Entscheidung darfst du am Ende des Tages aus dir heraus treffen. Die negativen Glaubenssätze der anderen – in diesem Fall die von Freunden sowie Kollegen – bringen uns nicht weiter.

Wenn sich alles in dir sträubt

Ich solle mich doch im Bereich Wirtschaft weiterbilden, um größere Chancen zu haben zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden, wurde mir geraten. Ja, das mag auf den ersten Blick gar nicht so verkehrt klingen. Die Sache war nur die: ich wollte mich auf diesem Gebiet nicht weiterbilden. Wozu würde ich denn in einem Job arbeiten wollen, der mir gar nicht liegt? Sonst hätte ich diese Ausbildungen doch von vorneherein gemacht.

Dennoch habe ich mir Aussagen dieser Art zu Herzen genommen, sie haben wieder meinen alten Glauben befriedigt, nicht gut genug zu sein und es hat sich auch so furchtbar vernünftig angehört. Das „furchtbar“ passt hier ganz gut. Das war einfach nicht ich!

Und dann habe ich es einfach getan

Gottseidank hatte ich eine Bekannte/Kollegin, die selbständig war und sich witzigerweise auch noch um meine Steuer kümmern wollte. Sie sagte: „Das ist alles ganz einfach, das kriegen wir auf jeden Fall hin“.  Das war der Turning Point. Zwei Minuten später habe ich den Antrag abgeschickt und es in den letzten 2 Jahren nicht eine Sekunde bereut.

Und noch schnell eine Prise Realität für die Skeptiker

Das heißt nicht, dass es immer leicht und schön war. Es gab Phasen, in denen ich nicht wusste, ob und wann der nächste Auftrag kommen würde. Phasen, in denen ich an mir gezweifelt habe und froh war, wenn ich meine Fixkosten decken konnte.

Ich möchte das Thema „erfolgreiche Selbständigkeit“ hier aber nicht ausführen – dazu gibt es viele gute Artikel oder Blogs. Für mich ist Selbständigkeit eine Kombination aus einer Tätigkeit, die man tun möchte (egal welche!) und einer gewissen Vorbereitung bzw. Auseinandersetzung mit der Realität (Steuern, Gewerbe oder Freiberufler, etc.).

Achja und ein Punkt, der mir auch noch am Herzen liegt: Netzwerken. Für mich die Basis von so vielen Aufträgen, konstruktiven Gesprächen und dem Gefühl der Zugehörigkeit – das ja als Selbständiger manchmal verloren gehen kann.

Ganz wichtig: wo ist die Grenze?

Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich in diesem Artikel die Fälle behandle, in denen sich Menschen mit ihren Ideen in etwas verrennen und scheitern – ein Argument gegen die Selbständigkeit, das ich für berechtigt halte – und bin zu folgendem Schluss gekommen:

Selbst, wenn das Umfeld zu erkennen glaubt, dass die Person nicht erfolgreich sein wird, bin ich der Meinung, dass die Person es selber herausfinden, ja spüren muss. Ein einfacher Vergleich: Wie viele Milliarden Elternpaare haben versucht, ihre Kinder aufgrund ihrer eigene Erfahrungen vor irgendwelchen Dingen zu warnen? Und wie viele Kinder haben es trotzdem ausprobiert? Um wieviel ärmer an Innovatioen wäre diese Welt, wenn alle Kinder auf ihre Eltern hören würden?

Und ja, es gibt Grenzen. Wenn die Person ihre Existenz verliert (auch da kann man noch streiten, was das genau bedeutet – sie kann ja auch wieder eigenständig raus aus dem Dilemma) oder anderen schadet. Ob es wirklich unser Verantwortungsbereich ist, eine andere Person zu retten, ist eh fraglich. Jedoch sehe ich ein, dass man jemanden, der einem nahesteht, nicht unnötig tief fallen sehen will.

Es gibt Menschen, die nach einem Fehlschlag ihr Leben ändern und daraus lernen und es gibt andere, die die mentale Stärke dafür nicht haben.

Meine Trickkiste

Und für die eigenen negativen Stimmen im Kopf habe ich auch Mittel und Wege gefunden.

  • Zu wenig Ansprache, weil ständig alleine vor dem Computer? -> Shared Office und regelmäßige Netzwerktreffen.
  • Angst, zu wenig Aufträge zu bekommen? -> Ich habe mir (damals als reiner Übersetzer) vorgestellt, wie schrecklich es wäre, wenn ich die ganze Zeit arbeiten müsste und keine Freizeit mehr hätte. 😉 Das hat meine komplette Einstellung verändert. Ich war entspannt und konnte die Leerlaufphase konstruktiv nutzen, anstatt mich innerlich verrückt zu machen.
  • Und für Fans des Gesetzes der Anziehung -> Ich habe mir in einer Phase von Lustlosigkeit und „keine Ahnung, was ich wirklich arbeiten will“ genau aufgeschrieben, was ich wirklich tun wollen würde (und ja, es kam mir damals lächerlich vor) und dann die Augen und Ohren offengehalten. Ich glaube, es hat keine 3 Wochen gedauert, bis ich den Job bekam, den ich wirklich machen wollte.

Wir stören die Realität der anderen

Was ich abschließend sagen will ist schlichtweg, dass man sich nicht entmutigen lassen soll, auch wenn die doch so gut gemeinten Ratschläge von den Menschen kommen, die einem am wichtigsten sind im Leben. Und an diesem Punkt ist es womöglich tatsächlich sinnvoll, Berufliches und Privates zu trennen, je nachdem wer sich da im eigenen Privatleben eben so tummelt.

Wer sich selbständig machen möchte, darf sich auf seinen Traum konzentrieren, aber auch die Konsequenzen miteinbeziehen und „das Außen“ darf sich überlegen, wie es Rückmeldungen formuliert und sich vor Augen halten, dass andere Menschen nicht zwingend in ihrer Realität leben und diese als ihre eigenen annehmen müssen – auch wenn das manchmal schwierig sein kann.

Wenn ein Auto nicht gut läuft, nehme ich ja auch erstmal Öl zur Hand und schütte keinen Sand in das Getriebe.

Liebe Grüße
Cathrina

PS: Vor einiger Zeit habe ich auf meinem Blog HabEsLeicht einen Artikel darüber geschrieben, wie wir unsere Meinung bilden und Entscheidungen treffen (können). Darüber, dass uns Freunde und Bekannte gerne beraten und uns Inspiration geben dürfen, es jedoch am Ende des Tages auf unser ganz eigenes Gefühl und vorher gemachte Erfahrungen ankommt, wie wir uns entscheiden. Gespräche mit selbständigen Kollegen und meine persönliche Erfahrung haben mich überzeugt, zusätzlich noch diesen Artikel zu schreiben.

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Cathrina MaierCathrina Maier – Bloggerin auf HabesLeicht, Feel Good Managerin bei Coach Success und freiberufliche Übersetzerin

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6 thoughts on “Danke, ich brauche deine Ängste nicht! Warum Deine Bedenken nur Sand in meinem Getriebe sind.

  1. Liebe Cathrina,
    ja das kenne ich nur zu gut! Wenn ich damals auf meine Freundinnen gehört hätte, wäre ich immer noch im Hamsterrad des IT Jobs und MÜSSTE jedes Jahr mehr Kunden bringen und mehr Umsatz machen und dauernd rapportieren.
    Die Standardfrage der Freunde war: was machst du, wenn es nicht klappt? Und meine Antwort: das überlege ich mir, wenn es soweit ist. Denn jetzt überlege ich lieber, was ich mache, damit es klappt!

    Und nun lebe ich seit 2011 meine Berufung als Hypnosetherapeutin und Hypnose Trainerin. Auch ich bin anfangs finanziell unten durch, aber jetzt verdiene ich mehr als damals mit meinem „ach so tollen Account Manager Job“. Ich habe es geschafft, weil es mir Spaß macht und einfach „mein Ding“ ist.

    Du hast dein Ding auch gefunden, das freut mich sehr für dich 🙂

    Toller Artikel!

    Hypnotische Grüße,
    Sandra

    • Cathrina

      Liebe Sandra,

      Danke für deinen Kommentar und dass du deine Geschichte hier teilst! Es tut gut zu wissen, dass es (vermutlich) viele andere gibt, denen es ähnlich ging oder noch geht. Und es freut mich sehr , dass es für dich auf allen Ebenen läuft!

      Liebe Grüße

      Cathrina

  2. Andrea

    Liebe Cathrina,
    danke für diesen Beitrag und herzliche Gratulation zur Selbständigkeit. Auch ich habe den Weg als selbständige Übersetzerin eingeschlagen. Oft hatte ich Zweifel und mir gedacht, ich sollte vielleicht besser einen „richtigen Job“ machen. Ich habe mich jetzt aber sehr diversifiziert und bin glücklich mit meinem Berufsalltag und stolz, dass ich das gepackt habe, was anfangs so irrsinnig schien. Das wünsche ich allen, die den Mut haben, es zu wagen, anders zu arbeiten.
    LG
    Andrea

    • Cathrina Maier

      Liebe Andrea,
      vielen Dank für deinen Kommentar! Und die Gratulation schicke ich zurück: man darf mutig sein, wenn man einen etwas anderen Weg einschlagen möchte.

      Liebe Grüße
      Cathrina

  3. Dein Artikel spricht mich sehr an. Ja im Wort Ratschläge steckt das Wort Schläge. Das sagt doch schon alles. Merci und liebe Grüsse aus Bern, Diana

    • Cathrina Maier

      Liebe Diana,

      vielen Dank für deinen Kommentar! Ich freue mich, dass dir mein Artikel gefallen hat. Mittlerweile hat es sich von der Freiberuflichkeit schon zur Firma entwickelt. Ganz ohne Ratschläge 😉

      Viele Grüße
      Cathrina

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